Liebe Mitglieder,
dem einen oder anderen habe ich ja schon persönlich von meinem Vorhaben im nächsten Jahr berichtet. Ich bin überrascht, wie oft ich darauf angesprochen werde, und deshalb folgt nun dieser Bericht im Mitgliederblatt.
Das Clipper Race ist ein Hochseerennen rund um den Globus. Es wurde im Oktober 1964 von Sir Robin Knox-Johnston ins Leben gerufen. Die Idee war, auch Laien die Möglichkeit einer Weltumsegelung zu geben – etwas, das bis dahin nur professionellen Hochseeseglern vorbehalten war. Gesegelt wird mit einer Einheitsklasse an Booten, den eigens dafür gebauten 70-Fuß-Clipper-Racer-Yachten. Beim Design und Bau lag der Schwerpunkt auf Sicherheit. Es handelt sich um robuste GFK-Boote, die mit den auf Leichtgewicht getrimmten Foilern der Vendée Globe zum Beispiel wenig gemeinsam haben. Trotzdem erreichen die Yachten Geschwindigkeiten von etwa 15 bis 20 Knoten und verfügen über recht agile Segeleigenschaften.
Dem Skipper stehen neben Groß- und Stagsegel drei verschiedene Yankee-Segel, drei asymmetrische Spinnaker (Code 0–2), ein „Windseeker“-Vorsegel sowie zwei Sturmsegel zur Verfügung.
Die Mannschaft eines solchen Bootes besteht aus zwei professionellen Seglern – dem Skipper und seinem First Mate. Der Rest der Crew sind Menschen wie du und ich, zwischen 18 und 70 Jahren alt. Nach einem Online-Bewerbungsverfahren muss man vier Ausbildungskurse (Level 1–4) von jeweils einer Woche erfolgreich absolvieren, bevor man auf einer Yacht mitsegeln darf. Ob man den Kurs bestanden hat, wird in theoretischen und praktischen Prüfungen abgefragt. Das letzte Wort hat jedoch der Ausbildungsskipper.
Die vier Ausbildungslevel
- Level 1 ist ein Crashkurs zum Umgang mit den Yachten, ihrer Terminologie und den grundlegenden Abläufen bei Manövern mit Groß- und Vorsegel. In diesem Kurs kehrt man jeden Abend in den Hafen zurück, sodass man eine ruhige Nacht genießen und mit seinen Segelkameraden im benachbarten „Castle“ (ein Pub am Hafen) den Tag Revue passieren lassen kann.
- Level 2 baut auf Level 1 auf. Nun bleibt man jedoch drei Tage am Stück auf See, lebt nach dem Wachsystem (tagsüber 6-6, nachts 4-4-4 Stunden) und erfährt, wie das Leben an Bord bei bis zu 30° Krängung wirklich aussieht. Kochen, Umziehen, Schlafen – alles wird deutlich mühsamer. Oder, wie es mein Ausbilder formulierte: „We do the same thing as in Level 1, but just make you exhausted and seasick in addition.“
- Level 3 widmet sich dem Segeln mit asymmetrischen Spinnakern. Geübt werden das Setzen, Bergen, Fahren sowie das Mann-über-Bord-Manöver unter Spi. Auch hier verbringt man die Nächte im Hafen.
- Level 4 ist der krönende Abschluss. Diesen Kurs absolviert man bereits mit seinem Race-Skipper, und auch die Crew-Mitglieder sind die späteren Teammitglieder. Die Einteilung der Teams erfolgt durch den Veranstalter Clipper, ohne dass man darauf Einfluss hat. In diesem Kurs trainiert man alle Manöver als Team, inklusive Startmanöver sowie spezielle Abläufe wie Schleppmanöver. Man segelt wieder zwei bis drei Tage im Wachsystem, übt Vorsegelwechsel unter Rennbedingungen oder auch den fliegenden Wechsel von einem Code 0 auf einen Code 1. Am Ende der Woche steht ein 24-Stunden-Rennen über den Ärmelkanal nach Frankreich und zurück an, gefolgt von einem dreistündigen Sprintrennen nach Hause nach Portsmouth (UK).
Dieses Level 4 habe ich im Juli dieses Jahres erfolgreich abgeschlossen und durfte die Glückwünsche meines Skippers Oliver Irvine (24 Jahre) und meines First Mate Otto Kulow (21 Jahre) entgegennehmen. Ich bin beim Race 2025/ 2026 im Team OlliOtto dabei. Der offizielle Teamname lautet „Gosh“. Das steht für Great Ormond Street Hospital Charity, eine Wohltätigkeitsorganisation für ein Kinderkrankenhaus in London. Das Rennen finanziert sich aus den Teilnehmergebühren der Crew-Mitglieder, den Bootssponsoren und den Hafen-Sponsoren.
Das Rennen
Das Clipper Race 2025/2026 startet am 31. August 2025 mit zehn Booten. Es ist in acht Etappen (sogenannte Legs) unterteilt:
- Leg 1: Portsmouth (UK) – Uruguay (12.000 km, 35 Segeltage)
- Leg 2: Uruguay – Südafrika (7.000 km, 18 Segeltage)
- Leg 3: Südafrika – Westaustralien (8.900 km, 25 Segeltage)
- Leg 4: Westaustralien – Ostaustralien (6.500 km, 19 Segeltage)
- Leg 5: Ostaustralien – China (10.500 km, 35 Segeltage)
- Leg 6: China – Seattle (12.700 km, 37 Segeltage)
- Leg 7: Seattle – Panamakanal – Washington (11.600 km, 40 Segeltage)
- Leg 8: Washington – Oban (Schottland) – Portsmouth (UK) (7.000 km, 22 Segeltage)
Nicht jeder Teilnehmer muss die gesamte Weltumsegelung mitmachen. In meinem Team sind derzeit acht Personen, die das ganze Rennen absolvieren. Der Rest fährt ein oder mehrere Legs. Insgesamt besteht mein Team aus 49 Personen, zusätzlich zu Skipper und First Mate.
Ich selbst habe mich für Leg 7 und 8 entschieden. Damit werde ich etwa Mitte April 2026 in Seattle an Bord gehen und helfen, das Boot erfolgreich nach Portsmouth ins Ziel zu bringen. Die Ankunft wird für Ende Juli 2026 erwartet.
Wer mehr erfahren und den Rennverlauf mitverfolgen möchte, findet Informationen unter: www.clipperroundtheworld.com.
Oliver Denk
Beisitzer Jugend
Das ist der Link zum Racetracker: https://clipperroundtheworld.geovoile.com/2025/tracker/









